Wikinger Museum Haithabu schließt vorübergehend

Im Oktober 2016 schließt das Wikinger Museum Haithabu bei Schleswig vorübergehend. Grund dafür ist ein Pilzbefall im Dach. Das Museumsgebäude wird voraussichtlich  zum Saisonbeginn 2018 wiedereröffnet. Diggingculture hat sich die Ausstellung angeschaut.

 

 

Die frühmittelalterliche Handelsstadt Haithabu, hatte ihre Blüte vom 8. bis ins 11. Jahrhundert. Durch Ausgrabungsarbeiten wurde die wikingerzeitliche Siedlung erschlossen und im Jahr 1985 das Museum Haithabu eröffnet. Innerhalb des Halbkreiswalls am Ufer der Schlei wurde ein Teil der Siedlung als Freilichtmuseum rekonstruiert.

Derzeit ist die Balkenkonstruktion des Museums von einem Pilz befallen. Deshalb wird das Museumsgebäude mit Saisonende im Oktober geschlossen. Bis Ende 2017 werden Sanierungsarbeiten durchgeführt. Ein Schlag für das Museum, das erst 2010 modernisiert wurde. Die Kosten der Reparaturen werden sich auf 3.4 Millionen Euro belaufen.

 

Die Wikinger kommen!

Dies erfahre ich von der Museumsleiterin Ute Drews, als sie eine Gruppe Reenactment-Darsteller und mich durch das Museum führt. Für den Wikingermarkt Ende Juli sind Darsteller angereist und haben neben dem Museumsdorf ihre Zelte aufgeschlagen. Für Besucher stellen Handwerker in wikingerzeitlichen Gewandung hier Arbeit und Leben der damaligen Zeit dar. Nach Feierabend hat Frau Drews noch einmal die Ausstellungsräume geöffnet, um uns Wikinger-Darstellern eine Tour zu geben. Selbst gemachte Lederschuhe tapsen über den Steinfußboden. Bärte, Tuniken und wikingerzeitliche Schildkrötenfibeln soweit das Auge blickt. Einige haben ihre Gewandung nach Originalfunden aus Haithabu angefertigt. Frau Drews, eine zierliche Frau mit grauen kinnlangen Haaren und dezenter Brille auf der Nase, hält die Führung auf Englisch. Ihr Publikum ist heute international. Für den Sommermarkt sind Reenacter aus ganz Europa angereist.
 

Die Runensteine von Haithabu

Skarthi-Runenstein
Kleiner Sigtrygg-Runenste

Die Ausstellungsräume bergen viele kleine und große eindrucksvolle Funde. Hier sind die vier Runensteine von Haithabu aufgestellt. Zwei der Steine wurden für Gefolgsleute von König Sven errichtet, die Krieger Skarthi und Erik. Königin Asfrid ließ zwei Steine für ihren toten Sohn Sigtrygg errichten, den sie begraben musste, nachdem auch ihr Mann Knuba gestorben war. In Runenschrift ist hier zu lesen „Asfrid, die Tochter Odinkars, machte diese Denkmäler (zum Gedenken an) König Sigtrygg, ihren und Knubas Sohn. Gorm ritzte die Runen.“

 

Pferde für das Jenseits

Vor dem Modell des Bootskammergrabs von Haithabu bleiben wir stehen. In dem Grab sind unter einem Schiff in zwei Kammern ein hochgestellter Mann und  zwei seiner Krieger bestattet.  Beigegeben wurde ihnen alles was der Mann von Welt im Jenseits braucht: Schwerter, Schilde, Trinkgefäße, Sattel, Pfeil und Bogen. Die aufwendig gefertigten Beigaben sind hier ausgestellt. In einem separaten Grab daneben wurden drei Pferde begraben. Sie wurden vor der Beisetzung getötet, um – wenn auch unfreiwillig – mit ihren Herren ins Jenseits zu traben.

In der Wikinger-Zeit wurden während des Begräbnisrituals nicht nur Tiere, sondern auch Menschen getötet. Der arabischer Reisender Ibn Fadlan berichtete, wie er Zeuge der Tötung einer Sklavin wurde. Sie folgte dem verstorbenen König der Rus aus freien Stücken in den Tod.[1] Auch in Uppsala und Birka in Schweden wurden gefesselte Sklaven in den Gräbern hochgestellter Männer gefunden. [2] In Haithabu hatte man sich mit Tieren begnügt.

Erleichtert darüber, dass niemand von mir verlangt meinem Arbeitgeber ins Jenseits zu folgen, schlendere ich weiter.

 

Von brennenden Wikingerschiffen

Prunkstück der Ausstellung ist das Langschiff, Haithabu 1, das im letzten Raum ausgestellt ist.[3] Das Wrack stammt aus der Zeit um 985 und ist vermutlich ein königliches Kriegsschiff, das mit dem dänischen König Harald Blauzahn in Verbindung gebracht werden kann. Es wurde nach mehrjähriger Nutzung mit brennbaren Materialien gefüllt und im Hafen von Haithabu in Brand gesetzt. Das Wikingerschiff war ursprünglich ca. 31 Meter lang und bot einer Besatzung von etwa 50 – 55 Mann Platz. Die erhaltenen Planken sind heute in eine Rekonstruktion des Schiffes eingearbeitet.

Am Langschiff beendet Frau Drews ihre Führung und verabschiedet uns herzlich. Mit vielen neuen Eindrücken und Informationen verlassen wir das Museum. Der Besuch hat sich gelohnt.

Wer dieses Jahr Museum und Museumsdorf noch einmal zusammen besichtigen möchte, hat dazu noch bis Oktober Gelegenheit.  In der kommenden Saison wird das Museumsdorf geöffnet bleiben und die Wikingermärkte im Frühling und Sommer werden regulär stattfinden. Außerdem sind im Bereich des Gräberfeldes im nächsten Jahr Ausgrabungen geplant. Diese versprechen weitere Interessante Funde und Befunde, die den gut publizierten Fundkorpus ergänzen werden. Es bleibt also spannend in Haithabu.

 

 

… Mehr zu Haithabu findet ihr in meinem Blogartikel:  Haithabu – Von Wikingern und Wüstensöhnen.

 

[1] Montgomery, J. E. Ibn Fadlan and the Rusiyyah, Journal of Arabic and Islamic Studies 3, Cambridge 2000, 14-21.

[2] Art. Menschenopfer, In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Bd. 19, Hoops, J. (Hrsg), Berlin – NY 2001, 543-545.

[3] Elsner, H. Wikinger Museum Haithabu: Schaufenster einer frühen Stadt, Schleswig 2005, 116ff.; Maixner, B. Haithabu – Fernhandelszentrum zwischen den Welten, Schleswig 2012, 193.

© Fotos: Wikimedia Commons

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