In Quiriguá – Tod eines Maya-Königs

K’ak’ Tiliw Chan Yopaat

Hohe Pyramiden, tiefe Höhlen, laute Brüllaffen und leise Politiker – In der Reisebericht-Reihe, Feldpost aus Yucatan, erzähle ich von Menschen, Reisen und Ruinen. In dieser Folge: Von der Maya-Stadt Quiriguá und einem König der zwei Tode starb.

 

Quiriguá, Guatemala Juni 2010

 

Quiriguá und die höchsten Stelen der Mayawelt

Wir setzten unseren Weg fort, an Quirigua vorbei. Quiriguá ist bekannt für die höchsten Stelen der Mayawelt. Die Monumente sind zum Teil über 10 m groß und tonnenschwer. Aus einem Steinbruch, der mehrere Kilometer entfernt liegt, wurden die Quader nach Quiriguá geschafft.

Die Stadt war bereits Anfang des 5. Jahrhunderts n. Chr. gegründet worden und schöpfte ihren Reichtum aus dem lukrativen Handel zwischen Copán und der Karibikküste. Auf der Handelsroute des Mortagua Flusses und anderen Wegen, die heute der Vergessenheit angehören, wurden über die mehr als 100 km regelmäßig Güter, wie etwa Jade verhandelt.

König Donnerhimmel trifft eine Entscheidung

Hier in Quiriguá mussten die Händler nach tagelanger Reise von der Karibikküste erschöpft zu ihren Familien zurückgekehrt sein, um ihre Waren auf dem Markt in Quiriguá zu verkaufen. Und während Frauen und Männer Handel trieben, saß hier der 14. Herrscher, K’ak‘ Tiliw Chan Yopaat, dessen klangvoller Name übersetzt Donnerhimmel bedeutete mit seinen Vertrauten und beriet über das Schicksal der Stadt.

 

Stele E in Quirigua, gewidmet König Donnerhimmel.
Quiriguá – Stele E. Die höchste Stele der Maya-Welt wurde 771 für K’ak‘ Tiliw Chan Yopaat errichtet. Sie ist 10,60m hoch und 65 Tonnen schwer. (Foto: Arian Zweger, CC0)

 

An diesem Tag vor fast 1300 Jahren, war das Schicksal Quiriguás noch eng an das seines großen Bruders im Süden: Copán gebunden. Die Entscheidung, sich von Copán loszusagen, kann Donnerhimmel nicht leicht gefallen sein. Copán war eine mächtige und vor allem sehr nahe gelegenen Stadt und Quiriguá seit mehreren Jahrzenhnten ihr Vasall. Doch im Norden gab es andere Verbündete, die Städte Tikal und Calakmul.

Risiken und Nebenwirkungen eines Aufstands

Copán – Stele H. Die Stele zeigt Maya Herrscher Uaxaclajuun Ub’aah K’awiil (Foto: Wiki Commons | CC-BY 3.0)

Das politische und damit auch wirtschaftliche Netz, dessen Knotenpunkte mächtige Städte waren, überspannte Yucatan schon seit Jahrhunderten. Dies wusste auch Donnerhimmel nur zu gut und die Allianz, die ein König einging entschied über Aufstieg und Fall der Stadt und ihrer Bewohner. Dass Quiriguá sich von Copán unabhängig machen wollte, war bereits beschlossene Sache. Copán hatte Donnerhimmel seinerzeit in sein Amt eingesetzt.

Würde der Streich nicht gelingen, würde dies den Tod Donnerhimmels bedeuten, der sich dann des Verrats an Copán schuldig gemacht hätte. Seine Krone würde ihm vom Kopf geschlagen werden, sein prächtiger Jadeschmuck vom Körper gerissen, er und seine Familie würden einen grausamen Tod sterben. Doch es war nicht Donnerhimmel, der am 3. Mai 738 seinen Göttern früher begegnete als ihm lieb war, sondern der Herrscher Copáns, 18 Kaninchen, der in seiner Sprache Uaxaclajuun Ub’aah K’awiil gerufen wurde.

Wir wissen nicht, wie 18 Kaninchen in die unglückliche Situation geriet dem Herrscher von Quiriguá in die Hände zu fallen. Und was mit ihm nach seiner Gefangennahme passierte, wurde von beiden Städten unterschiedlich in Erinnerung behalten.

18 Kaninchen stirbt zwei Tode

Häufig ist es der Fall, dass der Gewinner die Geschichte schreibt und wir, die wir es schwer nachprüfen können, sie glauben müssen. In dieser Geschichte haben beide, Gewinner und Verlierer, ihre Geschichte in Stein gemeißelt. Trotzdem können wir nicht sicher sein, wie genau der letzte Tag von 18 Kaninchen verlief, denn beide Städte wollten ihn unterschiedlich in Erinnerung behalten. Während auf der Hieroglyphentreppe von Copán festgehalten wurde, dass ihr Herrscher durch „Schild und Flint“ gefallen sei, konnte König Donnerhimmel sich erinnern, dass er seinem Widersacher den Göttern geopfert und dessen Kopf abgeschlagen habe.

Diese verschiedenen Wirklichkeiten, die sich in einen Glyphenstele ebenso gut eingraben lassen, wie in das kulturelle Gedächtnis eines Volkes, sind ein international verbreitetes Phänomen. Damals wie heute. Und so können wir gnädig darüber hinwegsehen und uns damit begnügen, dass eines als sicher gilt: Der König von Copán, 18 Kaninchen, starb an diesem Tag im Jahr 738 und trat seinen Weg hinab, zu seinen Ahnen, ins Xibalbá an.

Für mich war es Zeit meinen Weg fortzusetzen und jene mächtige Stadt zu besuchen, die 18 Kanninchen einst beherrschte: Copán! Aber davon mehr in der nächsten Folge von Feldpost aus Yucatan.

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