„Gespräche mit Archäologen“: Rezension

Für „Gespräche mit Archäologen – Eine Collage“ befragte Anne-Catherine Escher Archäologen aller Fachrichtungen zu ihrem Beruf. Die Antworten hat sie in einer inszenierten Gesprächsrunde zusammengesetzt.

 

 

Über das Buch

Für „Gespräche mit Archäologen“ wurden 24 Archäologen und Archäologinnen verschiedener Fachbereiche interviewt. Die Antworten auf ihre Fragen sind in einer inszenierten Gesprächsrunde von der Anne-Catherine Escher zusammengestellt. Die Autorin führte die Gespräche zwischen 2008-2013 in Ägypten und Deutschland. Die ArchäologInnen reden über Ausbildung, Arbeitswelt und Alltag und ermöglichen so persönliche Einblicke in den Beruf. Die Befragten sind Ägyptologen, Klassische, Prähistorische und Vorderasiatische ArchäologInnen. In den Gesprächen berichten sie von ihren Ausgrabungsprojekten rund um den Globus.

Aus den Gesprächen ergibt sich ein Schnitt durch alle Höhen und Tiefen des Berufs. Wir erfahren von Träumen, Existenzängsten, aufregenden Funden, Lagerkoller und bedingungsloser Leidenschaft für den Beruf. Die WissenschaftlerInnen befinden sich in verschiedenen Berufsphasen, vom Studierenden bis zum Professor und haben unterschiedliche Spezialisierungen. In elf Kapiteln führt das Buch durch die verschiedenen Berufsetappen: Motivation, Studium, Berufseinstieg, Ausgrabungs- und Büroalltag und den Arbeitsmarkt. Einblick gewähren die ArchäologInnen auch in ihr Privatleben. Wie lässt sich das Leben eines brotlosen Jetsetters mit Partnerschaft und Freundeskreis verbinden?

Besonders interessant ist die Bandbreite der Antworten. Bei einigen Fragen herrscht ein breiter Konsens. Für viele war die Archäologie ein Kindheitstraum, inspiriert von Mumien, Dinosaurier, Playmobilrittern und Indiana Jones. Gemein haben alle die Faszination für das Fach, die sie bei ihrer ersten Ausgrabung ergriffen hat. Einigkeit herrscht auch zu der Frage, was sich in dem Berufsfeld ändern muss: Das Geld! In Kultur und Wissenschaft investiert der Staat wenig. Allein die Leidenschaft am Beruf, der nicht Job sondern Berufung ist, hilft den WissenschaflerInnen über finanzielle Sorgen hinweg. Eine größere Varianz ergibt sich bei den Tätigkeitsvorlieben, Spezialgebiete oder Landeserfahrungen. Lohnend sind die Betrachtungen der Arbeitsabläufe auf der Ausgrabung. Sie geben Außenstehenden ein besseres Verständnis für die vielfältigen Aufgaben eines Archäologen.

 

 

Anne-Catherine Escher: „Gespräche mit Archäologen – Eine Collage”, aus der Reihe Berufswelten Sinnreich & Schweitzer Verlag, Berlin 2016 – 22,95€, 360 Seiten. Paperback, ISBN 978-3-946283-02-7

Fazit

„Gespräche mit Archäologen“ bietet einen authentischen und ehrlichen Blick auf das Fach. Der Leser wirft einen Blick hinter die Kulissen und lernt den Archäologen jenseits der Klischees kennen. Die teilweise ähnlichen Antworten geben zwar an einigen Stellen einen leicht repetitiven Eindruck, dies relativiert sich jedoch durch das Interviewformat des Buches. Es lädt dazu ein nicht von vorne bis hinten gelesen zu werden. Leicht kann der Leser von einer Frage zur anderen springen oder den Antworten eines bestimmten Archäologen über mehrere Fragen hinweg folgen. Nahezu die Hälfte der Befragten sind ÄgyptologInnen. Eine balanciertere Auswahl, wäre wünschenswert gewesen. Ausgeglichen wird dies von dem Erfahrungshorizont der Interviewten, der über ihr eigenes Fachgebiet hinausreicht.

Die Lektüre gibt persönliche und spannende Einblicke, wie sie sonst nirgends zu finden sind. Anne-Catherine Escher gelingt es, aus vielen kleinen Gesprächssteinchen ein farbenfrohes und vollständiges Mosaik des Berufs zusammenzulegen. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch für alle an Archäologie Interessierten, Studierenden und ArchäologInnen. Insbesondere Studienanfängern und denjenigen, die über einen Berufseinstieg nachdenken, legen ich „Gespräche mit Archäologen“ sehr ans Herz.

 

FACEBOOK
FACEBOOK
EMAIL

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.