Bullshit Bingo Archäologie #2

Hier der zweite Teil in der Reihe Buzzwordbingo Archäologie. Als Archäologin werden mir meist die gleichen Fragen gestellt. Gräbst du Dinosaurier aus? Hast du schon mal Gold gefunden? Und andere schöne Fragen. In dieser Reihe sammle und beantworte ich das Bullshit – Bingo Archäologie.

Kollegen können den Bullshit-Bingo Zettel ausdrucken und die Worte ankreuzen, die bei einer Befragung vorkommen. Wenn ihr eine Reihe voll habt, ruft ihr laut Garbologie!  Es soll noch festgehalten werden, dass Archäologen immer gerne Fragen beantworten! Wir freuen uns wenn sich jemand für unser Fach interessiert!


 
 

Gräbst du Dinosaurier aus?

Nein, wir erforschen grundsätzlich, ausschließlich und mit Leidenschaft menschliche Kulturen. Ich weiß, bei den ‚Feuersteins‘ kommen Menschen und Dinos ganz prima miteinander aus.  Der ein oder andere Kreationist kann sich mit der Vorstellung, dass ein Flugsaurier die Post bringt bestimmt auch anfreunden. Wenn ich ehrlich bin, fände ich das persönlich auch durchaus reizvoll. Sicher würde ein Archaeopteryx nicht immer vergessen mir einen Paketschein in den Briefkasten werfen.  Wissenschaftlich gesehen jedoch sind Cartoons und Kreationisten fragwürdig. Menschliche Kultur und Dinosaurier sind streng zu trennen, weil sie nicht zur selben Zeit gelebt haben! Wir kamen erst später und deshalb gibt es für uns und die Dinos auch zwei Fachbereiche. Wer sich für das ausbuddeln von Dinosauriern interessiert, kann sich getrost an einen Paläontologen seines Vertrauens wenden. Vermeidet es bitte den Paläontologen zu fragen, ob er Tempel ausgräbt. Er tut dies nicht!

Braucht man Archäologie denn wirklich?

Gute Frage! Natürlich brauchen wir Archäologie nicht zum Überleben. Wir können sie nicht essen und einen praktischen Mehrwert im Alltag hat sie auch nicht. Ich habe zwar oft gehört, dass der Mensch aus der Geschichte lernen kann, leider lässt der Beweis noch auf sich warten. Also warum das Ganze? Wenn man sein Leben auf die drei F’s beschränken kann, ist Archäologie natürlich überflüssig. Da der Mensch aber ein Kulturtier ist und die Kultur das Einzige, was uns von unseren tierischen Vettern unterscheidet, sollten wir vielleicht nochmal darüber nachdenken. Am Ende ist es unsere Kultur– dieses vermeintlich schmückende Beiwerk –  welche uns Menschen besonders macht und über unsere vielen Makel hinwegtröstet. Wenn ihr nicht gewillt seid Musik, Kunst, Literatur und den ganzen anderen Quatsch zu streichen, muss auch uns ein Plätzchen eingeräumt werden. Schließlich ist die Archäologie der verlängerte Arm der Geschichte und diese ist die Schriftführerin unserer Kultur. Wir sind kulturrelevant, verdammt!
 

Wer bezahlt denn für sowas?

Ihr! Schockierend, oder? Die Finanzierung von archäologischen Institutionen wird zum Großteil aus Steuergeldern bezahlt.

Es mag Euch beruhigen, dass wir nicht viel von den Geldern abbekommen. Daher müssen wir Drittmittel nutzen. Das sind Gelder aus der Privatwirtschaft oder Institutionen der öffentlichen Forschungsförderungen, wie zum Beispiel DFG, DAAD oder BMBF. Mit etwas Glück, findet sich netten Millionär, der die Ausgrabung finanziert. Die sind aber leider Mangelwahre. Die Bezahlung von Grabungsfirmen ist in den Bundesländern verschieden geregelt. Normalerweise ist aber der Verursacher der Baumaßnamen verantwortlich. Das kann eine Privatperson sein oder beispielsweise eine Gemeinde.

Wenn Euch der Gedanke quält, dass Steuergelder für Archäologie ausgeben werden, versuche ich Euch mit diesem Link zur anderweitigen Verschwendung von Steuergeldern abzulenken. Wenn das nicht funktioniert hat, erzähle ich jetzt weiter über Geld, Gold und Archäologie.
 

Hast du schon Gold gefunden?

Ja. Ein kleiner Schatzjäger steckt wohl in jedem Archäologen, aber wir begeistern uns eher für Anderes. Kollegen machen schon mal Freudenhüpfer, wenn sie die Verbindung zwischen Abwasserkanal und Haus finden. Wir verfallen in Ekstase, wenn wir ein abgebranntes Gebäude ausgraben. Was für andere eine Tragödie, ist für uns ein Glücksfall, denn ein unberührtes Inventar ist wahnsinnig spannend. Das können nur drei Töpfe mit ein bisschen Getreide und Weintraubenkernen sein – ein Schatz für jeden Archäobotaniker! Insgesamt lässt einem das die Freudentränen in die Augen schießen, was Erkenntnisgewinn bringt. Ich habe mich über die winzige Goldperlen zwar gefreut, aber berührt haben mich ganz andere Dinge.
 

Durftest du das Gold behalten?

Nein, die Goldperlen, musste ich leider abgeben. Alle Funde gehören weder dem Archäologen noch der Institution für die er arbeitet, sondern immer dem Land in dem gegraben wird. Deshalb sieht man auch selten perlenbehängte Archäologen. Alles wird bei der jeweiligen Denkmalbehörde abgegeben und findet so den Weg in die Museen. Mit diesem Wissen trocknen die Tränen, die bei der Fundübergabe vergossen wurden dann auch schneller.
 

Wo finden Archäologen Arbeit?

In Museen, Universitäten, dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Landesdenkmalamt, Grabungsfirmen und im Jobcenter.

Kann man damit Geld verdienen?

Äh, Nein. Lasst mich kurz überlegen… Nein.
 

Wirklich?

               Ja. Wirklich! Außer du hast ne C4 Professur, dann hast du gewonnen.

 

Wenn euch mehr Fragen einfallen, könnt ihr die gerne in den Kommentaren hinterlassen. Sie werden dann im nächsten Bullshit Bingo – Beitrag beantwortet.

 

Streicht die Worte, die im Gespräch fallen. Wenn Ihr eine Reihe voll habt, ruft laut: Garbologie!

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