Archäologen im Profil – Die Veranstaltungsmanagerin

Fatima ist Archäologin und arbeitet am Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg. Als Veranstaltungsmanagerin und Museumspädagogin ist sie so etwas wie die eierlegende Wollmilchsau der Branche. Mit ihr unterhalte ich mich über Alltag, Veranstaltungen und Jobchancen am Museum.

 

 

 

Ich besuche Fatima in ihrer Einraumwohnung in der Rigaer Str. in Berlin. Ihr Lächeln ist genauso breit wie ihr Eberswalder Dialekt. Nur ihr Vorname und Gesichtszüge verraten die teilweise algerischen Wurzeln der Berlinerin. Fatima ist durch und durch märkische Pflanze. Ihre Wurzeln hat sie tief in den Friedrichshain geschlagen, in die Berliner Kunst- und Kulturszene und die stille Landschaft um Berlin. In der Küche hat sie ein paar Kerzen angesteckt und ich bekomme einen Teller gefüllte Paprika und darf ihren selbstgemachten Blaubeerlikör verkosten. Die Beeren sind selbstgepflückt, verkündet sie stolz. Draußen fällt der erste Schnee des Jahres, als die Archäologin anfängt mir von ihrer Arbeit zu erzählen.

 

Wie bist du eigentlich dazu gekommen am Museum zu arbeiten?

Ich bin nach dem Studium zu der Entscheidung gekommen, dass ich mit Ausgrabungen nicht mein Geld verdienen will. Mein Studium war sehr praxisorientiert. Ich habe nichts anderes gelernt, als zu studieren und auf Ausgrabungen zu arbeiten. Am Anfang war ich auch nicht so sicher, was die Alternative sein könnte. Dann habe ich überlegt, was ich gut kann. In der Uni habe ich immer gerne Vorträge gehalten und ich hatte mal ein Praktikum am Museum gemacht, aber nicht sofort die Idee gehabt: ‚Ja klar, Museum!‘. Ich weiß nicht warum. Ich habe dann aber gemerkt, dass es eigentlich genau die Sachen vereint, in denen ich gut bin. Ich muss nicht nur in der Forschung sein oder graben, sondern kann mit dem, was andere herausgefunden haben in die Vermittlung. Und dann war klar: „Ok, das mache ich.“

 

Was sind deine Aufgaben am Museum?

Meine offizielle Jobbezeichnung ist Veranstaltungsmanagerin und Museumspädagogin, also zwei zusammengelegte Bereiche. Meine Aufgaben hängen von der Jahreszeit ab, denn im Frühjahr und Sommer sind bei uns die Veranstaltungen, während jetzt im Winter die Konzeptarbeiten dafür stattfinden. Das ist relativ umfangreich, was man sich erstmal nicht so vorstellen kann. Ich muss Teilnehmer buchen, Texte schreiben, Budgets erstellen, Equipment kaufen und vieles mehr. In der Museumspädagogik führe ich Workshops durch, überlege mir neue Formate oder mache Führungen und versuche die dann nett zu präsentieren.

 

Veranstaltungsmanagement hört sich ja eigentlich erstmal nicht nach Ur- und Frühgeschichte an. Wieviel Archäologie bleibt denn da noch übrig?

Ideal wäre natürlich für mich fifty-fifty. Das kommt aber nicht immer hin. Tatsächlich hängt das von den Veranstaltungen ab. Wenn ich die Führungen mache, bereite ich mich meistens richtig darauf vor und versuche in der Stunde den Stand der Forschung zu vermitteln und auf bestimmte Exponate einzugehen. Dazu lese ich mich vorher nochmal ein, aber auch nicht immer, vieles hat man ja schon so drin. Das heißt das ist also der archäologische Beitrag.

Bei den Veranstaltungen ist das so eine Sache. Wenn wir ein Kindersommerfest machen, erkläre ich ganz kindgerecht. Zum Beispiel erzähle ich dann, wie ein Archäologe arbeitet oder wie man früher Mehl gemahlen hat, aber das ist sehr spielerisch. Bei der Archäotechnica Veranstaltung muss ich mehr recherchieren, um Archäologen, Archäotechniker und Reenacter zu finden, die das Thema originalgetreu vorführen können. Das muss ich machen, um überhaupt ein Konzept schreiben zu können. Ich muss wissen, was in der Epoche überhaupt typisch ist. Aber ich arbeite eher mit archäologischen Ergebnissen, die andere erforscht haben. Ich grabe nicht, ich forsche nicht, sondern ich versuche den Wissensstand der Forschung zu vermitteln.

 

Wie sieht da ein typischer Tag aus?

Also ich komme ins Büro… Das meiste, was ich mache findet im Büro statt. Die Leute denken oft, dass ich im Museum zwischen den Objekten und Vitrinen rumlaufe. Ich sitze aber eigentlich fast immer am Rechner. Ich betreue gerade vier Veranstaltungen. Morgens fange ich an meine Checkliste abzuarbeiten: organisieren, anrufen, Programmtexte schreiben… Die wird dann jeden Tag abgearbeitet. Dann gibt es noch Meetings, in denen es um die Durchführung geht: Wen man anrufen kann, wen man buchen kann… Joa und tatsächlich sind da schneller acht Stunden rum, als man denkt. Und zwischendurch gibt’s dann noch Führungen und Workshops und damit bin ich auch ein paar Stunden beschäftigt.

 

Das Archäologische Landesmuseum Brandenburg im Paulikloster in Brandenburg Stadt. (Bildquelle: Wiki Commons CC BY-SA 3.0)

 

Wie sieht so ein Workshop aus?

Den Anthropologie-Workshop betreue ich mit einer Anthropologin zusammen, weil ich den Leuten natürlich nicht so kompetent anatomische Sachverhalte erklären könnte. Wenn es junge Kinder sind, machen wir eine Art Rally. Die Kinder füllen einen Fragebogen aus und wir sehen uns zusammen mit ihnen menschliche Knochen in der Ausstellung an. Ich bin diejenige die dabei assistiert und im Vorfeld die Konzepte und Fragebögen dafür geschrieben hat. Während dessen helfe ich zum Beispiel dabei die Skelette zusammen zu legen. Im Rahmen meiner Möglichkeiten… (lacht)

 

Die Führungen führst du alleine durch. Was hast du da für Erfahrungen gemacht?

Ja, ich mache die Sonderführung einmal im Monat. Häufig passiert es, dass Leute vor einer Vitrine stehen und ich erzähle ihnen etwas und sie sagen dann: „Oh, wirklich jetzt? Das hätte ich jetzt nicht gedacht!“. Wenn die Teilnehmer sich dann am Ende bedanken oder fragen „Könnte ich das nochmal irgendwo nachlesen?“, dann denke ich: ‚Ach cool, denen habe ich jetzt was mitgegeben‘. Die Besucher gehen dann nach Hause und haben vielleicht eine neue Vorstellung von Gesellschaften oder auch von Zeit und Raum bekommen oder wissen, dass ‚alt‘ nicht 150 Jahre sind sondern ‚alt‘ auch 8000 Jahre sind. Das ist vielen nicht bewusst und dafür ein Bewusstsein zu schaffen oder nochmal zu erklären, was ein Archäologe so macht oder was ein Geologe so macht, finde ich immer ganz schön.

 

Welchen Teil deiner Arbeit magst du am liebsten?

Eigentlich das, was ich am besten kann. Ich kann ziemlich gut Konzepte schreiben und Sachen erklären. Also, ich mag es mich in ein Thema einzulesen und das so runter zu brechen, dass es Leuten einfach vermittelbar ist. Also, so dass es nicht zu komplex wird und anschaulich und spannend bleibt. Das finde ich am schönsten. Am meisten mag ich die Vorbereitung vor der Veranstaltung.

 

Hast du Tipps für Leute, die entweder überlegen ein Studium anzufangen oder studiert haben und am Museum arbeiten möchten?

Was immer hilft, ist ein Praktikum zu machen. Das kann auch ein kleines Museum sein. Ich glaube, so wie mir durch meine Praktika klargeworden ist, dass ich nicht immer auf Ausgrabungen arbeiten möchte, kann man auch genauso rausfinden was man möchte. Schonmal zu wissen, wie das in einem Museum so ist, damit man sich da keine Illusionen macht, ist nicht verkehrt. Denn, wie gesagt, man arbeitet nicht die ganze Zeit mit Artefakten, vieles ist Bürokratie. Mit Besuchern gibt es weniger Kontakt, sondern man sitzt hauptsächlich im Büro. Man muss sich außerdem im Klaren sein, dass die Jobsituation nicht rosig ist.

 

Das ist ein guter Punkt. Wie sieht es denn aus mit Jobchancen in Berlin-Brandenburg?

Naja, es ist schon nicht so einfach. Es gibt zwar viele Museen, aber man kann ja schlecht überall arbeiten. Man hat ja schon bestimmte Schwerpunkte studiert und es gibt sehr spezifische Museen, die zum Beispiel verlangen, dass man eine bestimmte Sprache beherrscht oder sich mit einer bestimmten Epoche sehr gut auskennt. Da hat man dann nicht so gute Chancen. Wenn man sich archäologische Museen anguckt, dann wird es schon dünn. Auch ich könnte jetzt nicht am Vorderasiatischen Museum oder in der Ägyptischen Sammlung arbeiten, weil ich die Artefakte nicht datieren oder ansprechen könnte.

 

Auf was hast du dich spezialisiert?

Ich habe eigentlich Ur-und Frühgeschichte studiert und habe viel Bronzezeit gemacht und frühmittelalterliche Geschichte. Und naja mit Bronzezeit… (lacht) gibt’s jetzt nicht unbedingt ein Museum, das sagt: „Fatima, auf Dich haben wir jetzt gewartet!“, sondern ich muss schon etwas weiter greifen. Da muss man, obwohl Berlin eine reiche Kultur und- Museumslandschaft hat, über Berlin hinausgucken.

 

Zwei Werke von Fatima. „ArcheoAtari vs. BronzeTetris“ und „Relax! You are just a moment in time.“

Du bist nicht nur Archäologin, sondern auch Kunstschaffende. Du malst und schreibst. Wieviel Archäologie fließt in deine kreative Tätigkeit ein?

Beim Schreiben eher weniger, aber da verarbeite ich andere Dinge. Aber beim Zeichnen passiert es, dass wenn man Sachen sieht, die einen ästhetisch ansprechen, diese sich in den Bildern wiederfinden. Das ist kein Muss. Ich bin nicht spezialisiert archäologische Inhalte umzusetzen, aber wenn es dein täglich Brot ist und du Sachen toll findest und die Geschichte dahinter kennst, dann mögen die da auch einfließen. Das merken auch Außenstehende. Mir selber ist das dann oft nicht so bewusst, aber Andere merken das.

 

 

Hast du eine Empfehlung, was man in der nächsten Zeit am Landesmuseum Brandenburg nicht verpassen sollte?

Am letzten Sonntag im Monat habe ich immer meine Führung. Da kann man gerne vorbeikommen und sich Ausführungen zu Themen anzusehen, die ich mir im Vorfeld überlegt habe. Ab dem 18. Januar gibt es eine tolle Sonderausstellung auf die ich mich wirklich sehr freue. Das ist die Archaeomusica. Da geht es um Musik und Instrumente. 40 000 Jahre Musikgeschichte. Da wird es dann auch Klangbeispiele geben und Instrumente, die man so noch nie gesehen hat. Bei der Eröffnungsfeier werden sie auch live zu hören sein. Ansonsten gibt es Soundstationen, damit der Besucher Klänge nachempfinden kann. Sicher werden nicht viele eine Lure oder eine Knochenflöte gehört haben… Also, darauf freue ich mich sehr!

 

Klingt spannend!

Vielen Dank!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle Titelbild: Fatima auf der Archäotechnica 2017 mit der „Interessengemeinschaft um Phillip Herzog“ (© Michael Schneider).

 

 

FACEBOOK
FACEBOOK
EMAIL

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.